Veranstaltungen

Ankommen als Utopie

Busbahnhof Belgrad – Transitraum für Flüchtlinge
mit Aleš Šteger, Autor
Lesung von Logbuch der Gegenwart: Taumeln
Einmal im Jahr sucht sich Aleš Šteger einen Tag und einen Ort aus, setzt sich dort zwölf Stunden hin und fasst seine Eindrücke in Worte. Am 2. August 2015 war es der Busbahnhof in Belgrad – die zentrale Stelle für syrische Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Ungarn. Was er wahrnimmt und notiert, ist Literatur in Echtzeit – ungefiltert und einzigartig in ihrer Unmittelbarkeit.

 

Die Ankunft ist die Utopie der Flüchtenden
mit Olga Grjasnowa, Autorin
Lesung von Gott ist nicht Schüchtern
Amal, Schauspielerin in Damaskus, schliesst sich der Revolution gegen das Assad-Regime an,  wird vom Geheimdienst beschattet und schliesslich inhaftiert. Ihr reicher Vater kauft sie frei, doch muss sie fliehen, über Beirut in die Türkei, und von dort auf einem alten Frachter nach Italien. Das Schiff sinkt, ihr Gefährte Youssef und sie werden unter dramatischen Umständen gerettet. Sie nehmen sich eines Babys an, dessen Mutter ertrunken ist.

 

Grenzen erzählen
mit Alessandro Leogrande, Journalist und Autor
Lesung von La frontiera
Um den Exodus zu erzählen, der gegen die Grenzen Europas drückt, muss man weit über das Meer hinaus schauen. Man muss versuchen zu verstehen, was Tausende von Männern und Frauen dazu bewegt, ihr Leben zu riskieren, um ein Dasein ohne Möglichkeiten, die Zerstörung ihrer Heimatstädte und erstickende Totalitarismen hinter sich zu lassen. Wir müssen versuchen, uns selbst und unsere Grenzen mit den Augen des anderen zu sehen, und an den Träumen derjenigen zu messen, die sie überschreiten wollen. Grenzen erzählen, bedeutet, sich mit einem wichtigen Zwiespalt unserer modernen Zeit auseinander zu setzen.

Aleš Šteger

Aleš Šteger, geboren 1973 in Ptuj (Slowenien), ist Dichter, Essayist und Romanautor und lebt heute in Ljubljana. Seine Werke wurden in 16 Sprachen übersetzt und erschienen in Zeitschriften und Tageszeitungen wie The New Yorker, Boston Review, Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Zeitung und vielen weiteren. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 den französischen Orden Chevalier des Arts et Lettres, sowie 2016 den internationalen Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Ausserdem ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Sein Werk umfasst auch andere Kunstformen, darunter Installationen visueller Kunst wie die auf der Kochi-Muziris-Biennale (Indien), sowie Zusammenarbeiten mit Musikern und dem Regisseur Peter Zach. Seit 2012 widmet er sich einem Projekt des performativen Schreibens, Written on Site/Logbuch der Gegenwart, mit einer öffentlichen Schreibperformance pro Jahr.

Bibliografie

Die Bibliografie der Originalwerke finden Sie hier: www.alessteger.com/knjige/knjige-original-editions/

Werke auf Deutsch:

Logbuch der Gegenwart: Taumeln, 2016, Haymon

Archiv der toten Seelen, 2016, Schöffling & Co.

Buch der Körper. Gedichte, 2012, Schöffling & Co.

Der Handschuh. Albert oder die höchste Form der Hinrichtung (mit Juri Andruchowytsch), 2011, Thanhäuser

Preußenpark. Berliner Skizzen, 2009, Suhrkamp

Buch der Dinge. Gedichte, 2006, Suhrkamp

Kaschmir. Gedichte, 2001, Edition Korrespondenzen

Olga Grjasnowa

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku (Aserbaidschan), ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Polen, Russland, Israel und der Türkei lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. Für ihren viel beachteten Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt, 2012 im Hanser Verlag erschienen, wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. 2014 erschien im gleichen Verlag Die juristische Unschärfe einer Ehe. Beide Romane wurden für die Bühne dramatisiert. Im März 2017 wurde ihr neuester Roman Gott ist nicht schüchtern im Aufbau Verlag veröffentlicht.

Bibliografie

Gott ist nicht schüchtern, 2017, Aufbau

Die juristische Unschärfe einer Ehe, 2014, Hanser

Der Russe ist einer, der Birken liebt, 2012, Hanser

Alessandro Leogrande

Alessandro Leogrande, geboren 1977 in Taranto, lebt in Rom. Er schreibt für die Tageszeitung Corriere del Mezzogiorno und die Wochenzeitung Internazionale und moderiert verschiedene Sendungen auf Radio 3. Zehn Jahre lang leitete er als Vizedirektor die Monatszeitschrift Lo straniero. Für die Wochenzeitschrift Pagina 99 gab er die dem Longform-Journalismus gewidmete Beilage Fuoribordo heraus. Als investigativer Journalist schrieb er mehrere Bücher, darunter Uomini e caporali. Viaggio tra i nuovi schiavi nelle campagne del Sud (Mondadori, 2008) und Il naufragio. Morte nel Mediterraneo (Feltrinelli, 2011). Ausserdem gab er verschiedene Anthologien heraus, darunter Ogni maledetta domenica. Otto storie di calcio (minimum fax, 2010) und die Sammlung journalistischer Werke von Rodolfo Walsh Il violento mestiere di scrivere (La nuova frontiera, 2016). Sein jüngstes Buch erschien bei Feltrinelli und trägt den Titel La frontiera (2015).

Bibliografie

Die Werke von Alessandro Leogrande wurden bisher nicht auf Deutsch übersetzt.

Originalwerke:

La frontiera, 2015, Feltrinelli

Fumo sulla città, 2013, Fandango

Il naufragio. Morte nel Mediterraneo, 2011, Feltrinelli

Adriatico, 2011, Feltrinelli (collana digitale Zoom)

Uomini e caporali. Viaggio tra i nuovi schiavi nelle campagne del Sud, 2008, Mondadori

Nel paese dei viceré. L’Italia tra pace e guerra, 2006, L’ancora del Mediterraneo

Le male vite. Storie di contrabbando e di multinazionali, 2003, L’ancora del Mediterraneo

Un mare nascosto, 2000, L’ancora del Mediterraneo

 

Alessandro Leogrande hat zudem folgende Anthologien herausgegeben:

Il violento mestiere di scrivere, 2016, La nuova frontiera

Trois Agoras Marseille. Art du geste dans le Méditerranée (di Virgilio Sieni), 2013, Maschietto editore

Ogni maledetta domenica. Otto storie di calcio, 2010, minimum fax

Nel Sud senza bussola. Venti voci per ritrovare l’orientamento (con Goffredo Fofi), 2002, L’ancora del Mediterraneo