Unsere Odysseen

Unsere Odysseen

1922 veröffentlichte James Joyce seinen Roman «Ulysses», der die narrative Vorstellungswelt auf den Kopf stellen sollte. Der Autor erzählt vom alltäglichen Schiffbruch des Protagonisten in einer Metropole und versucht, das Chaos und die Sinnlosigkeit der modernen Zivilisation zu schildern. Der Joycesche Ulysses, wie Odysseus ein Held voller Widersprüche, Schwächen und mit tausend Gesichtern, ist zum Archetyp des zeitgenössischen Menschen geworden; Seine Vielschichtigkeit ist inspirierend und abstossend, doch birgt sie einen solchen Reichtum an menschlichen Beweggründen, an Bildern und Impressionen, dass sie die Lesenden überwältigt. Grundlage all dessen ist natürlich der homerische Mythos, den Dante in einem berühmten Höllengesang aufgreift und die Möglichkeiten einer Figur auslotet, die wie keine andere die Ruhelosigkeit, die Neugier auf das Unbekannte, das ewige Bedürfnis nach Erkenntnis und Reisen und die Sehnsucht nach Rückkehr verkörpert. So gesehen erzählen im Grunde jede Autorin und jeder Autor seine/ihre eigene kleine oder grosse Odyssee. Unsere Gäste werden uns sagen, wie und warum.

 

Paolo Di Stefano
Direttore artistico