Cenacolo del Monte Verità 2019

Cenacolo del Monte Verità 2019

Bereits bei der ersten Ausgabe der Eventi letterari ins Leben gerufen, möchte das Cenacolo mit einem in seiner Art einmaligen Workshop, an dem jedes Jahr eine Gruppe junger AutorInnen aus allen Sprachgebieten der Schweiz teilnimmt, den ursprünglichen Geist des Monte Verità wiedererwecken. In einer Epoche, die als höchste Werte das Produzieren und Anhäufen, das Treiben und Darstellen ansieht, einer Zeit, in der das Tun ganz den Platz des Denkens einnimmt, soll die Möglichkeit wiederhergestellt werden, sich zu treffen, um gemeinsam zu diskutieren, nachzudenken und Meinungen auszutauschen, doch ohne den Zwang, etwas produzieren zu müssen. Das bezeichnendste Merkmal dieses Projekts ist daher wenig greifbar, aber sehr konkret: ein Austausch zwischen unterschiedlichen Sichtweisen auf ein und dieselbe Sache, die Praxis des Schreibens.

AUSSCHREIBUNG ZUR TEILNAHME AM PROJEKT CENACOLO «Das Cenacolo des Monte Verità»

AUF DEN SCHULTERN VON RIESEN
Eventi letterari Monte Verità ist ein Literaturfestival, das von dem Verein Eventi letterari in Ascona gefördert und organisiert wird. Die künstlerische Leitung ist Paolo Di Stefano anvertraut, die Beratung Joachim Sartorius und Karin Graf. Zwei Dutzend Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland werden dieses Jahr an den Veranstaltungen teilnehmen, um ihre Ansichten darzulegen und ihr Können zu zeigen. Mit Ausnahme der Abendveranstaltungen, die im PalaCinema in Locarno und im Teatro del Gatto in Ascona ausgerichtet werden, finden die Treffen auf dem Monte Verità in Ascona statt. Sie werden jeweils in der Sprache des Autors durchgeführt und simultan ins Italienische, Deutsche und Französische verdolmetscht.

DAS PROJEKT CENACOLO
Treffen und Austausch zwischen Generationen und Bildung einer Gemeinschaft
Das Projekt Cenacolo wurde im Rahmen der ersten Ausgabe des Festivals Eventi letterari versuchsweise ins Leben gerufen und ist dank seines originellen Formats sofort auf Interesse gestossen und ein grosser Erfolg geworden. Unser Veranstaltungsort, der Monte Verità, hat die zeitgenössische europäische Kultur mitgeprägt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand dort dank der Zusammenkunft von zahlreichen Künstlern und deren Schaffen eine aussergewöhnliche Gemeinschaft, die Begegnungen, Gedankenaustausch, Reflexion und Debatten suchte und ermöglichte. Zu dieser Künstlergemeinschaft zählten Künstler unterschiedlicher Art und Tragweite. Einige waren oder wurden später zu zentralen Figuren der europäischen Kultur, andere verkörperten durch ihre Lebensweise utopische und anarchische Ideologien. An diesem Ort des Austauschs von Erfahrungen und Gedanken wurden zum einen einzigartige originelle Projekte entwickelt, zum anderen hat der Monte Verità die Kreativität unzähliger Künstler angeregt.

Aus diesem Grund war es der Festivalleitung ein Bedürfnis, ein Projekt für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller ins Leben rufen, das diesen Gelegenheit gibt, den auf dem Festival anwesenden «Meisterinnen» und «Meistern» zuzuhören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. In einer Epoche, die auf materielle Produktion, den Markt und Äusserlichkeiten setzt und die dem Denken und der Kreativität immer weniger Zeit einräumt, soll so ein Raum entstehen, in dem das dem Monte Verità eigene Klima der Begegnung und des gegenseitigen Zuhörens von Künstlern wieder aufleben kann.

Die diesjährige Ausgabe des Literaturfestivals arbeitet zum ersten Mal mit der italienischschweizerischen Universität USI zusammen.

DIE ERFAHRUNG 2018
Das Thema der letzen Festivalveranstaltung war «Die Utopie von der Natur» und dies war gleichzeitig der rote Faden für die Gedankenentwicklung der jungen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die am Projekt Cenacolo teilnahmen. Nach dieser Erfahrung fasste Tommaso Giacobini seine Arbeit wie folgt zusammen:

Wie jede Kunstform ist die Literatur voller Beispiele junger Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die sich an einen Meister oder eine Meisterin wenden und diese um Unterstützung und Unterweisung bitten. Dieser Brauch ist ein wenig verloren gegangen. In der heutigen Gesellschaft sind Schulzeugnisse, Lebensläufe und Bescheinigungen jeder Art und Couleur gefragt, ein lebendiger Austausch zwischen MeisterIn und SchülerIn ist rar geworden. Das «Cenacolo» war für mich eine dieser seltenen Gelegenheiten. Autoren und Autorinnen, denen der Beruf in Fleisch und Blut übergegangen ist, die Hände zu schütteln, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und sich anzulächeln: Das hat mich viel gelehrt. Der Beruf des Künstlers ist einsam, man bewegt sich in ständigem Kampf zwischen Wunsch und Angst. Sich mitzuteilen ist fundamental.

WAS WIR ANBIETEN
Wir bieten während der Tage des Festivals, bei dem Gäste und Persönlichkeiten aus aller Welt zugegen sein werden, einen privilegierten Raum für rund zehn junge SchweizerInnen oder in der Schweiz ansässige junge AutorInnen, die bei der Vorbereitung und während der Veranstaltungen Unterstützung von Sebastiano Marvin, Kulturarbeiter und Teilnehmer der letzten Ausgabe des «Cenacolo», erhalten werden. Prisca Agustoni, mehrsprachige Wissenschaftlerin, Übersetzerin und Universitätsdozentin in Brasilien wird die TeilnehmerInnen bei der diesjährigen Ausgabe der Eventi letterari als Mentorin begleiten.

Die eingeladenen jungen AutorInnen verbringen zwischen dem 11. und 14. April 2019 vier Tage (3 Nächte) als Gäste des Festivals (inkl. Unterkunft, Verpflegung und Reisespesen), während derer sie an Begegnungen und Diskussionen, den Treffen des «Cenacolo», teilnehmen, sowie informellen und freien Anlässen beiwohnen können, die sich einfach ergeben, wenn man vor einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein zusammenkommt.

WAS WIR VERLANGEN
Wir erwarten von den TeilnehmerInnen Neugierde und Lust, mit anderen AutorInnen Gedanken auszutauschen, sowie auch den Willen, sich selbst einzubringen und offen über die eigenen Schreibtechniken nachzudenken. Es gibt für die TeilnehmerInnen keine Verpflichtungen ausser die, sich zur täglichen gemeinsamen Reflexion und Diskussion einzufinden, die von der Mentorin und von Sebastiano Marvin koordiniert sein wird. Nach Abschluss dieser Erfahrung bitten wir die TeilnehmerInnen Projekts Cenacolo, diese in einer kurzen Reflexion zu beschreiben, und eine Art Zusammenfassung des Gedankenaustauschs mit den anderen zu verfassen, welche dann in den auf das Festival folgenden Wochen an uns zu senden ist.

PRÄSENTATION DES PROJEKTS
Im Rahmen des Projektes Cenacolo findet Freitag, den 12. April 2019 um 10 Uhr auch eine Begegnung der Teilnehmer mit einer Gruppe SchülerInnen des Kantonsgymnasiums Locarno statt, bei der auch die Mentorin Prisca Agustoni anwesend sein wird. Das Format ist eine kollektive Lesung, bei der jeder Schriftsteller und jede Schriftstellerin während drei/vier Minuten die Möglichkeit haben wird, sein Werk oder einen eigenen Text vorzustellen.

TEILNAHMEBEDINGUNGEN
Die Teilnahme steht all denjenigen offen, die die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzen oder ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, höchstens 35 Jahre alt sind und höchstens zwei Titel (mit ISBN-Nummer) veröffentlicht haben. Die Anfrage ist, gemeinsam mit einer kurzen Biographie, der Liste der Veröffentlichungen und einer Teilnahmemotivation bis spätestens 25. Februar 2019 an Nora Bianchi: cenacolo@eventiletterari.swiss zu senden.

Für Fragen steht jederzeit Nora Bianchi:
cenacolo@eventiletterari.swiss / 079 811 75 56 zur Verfügung.

AUSWAHL
Die Auswahl der AutorInnen wird von Eventi letterari in Zusammenarbeit mit der Redaktion der Schweizer Literaturzeitschrift «Viceversa letteratura» durchgeführt. Neben den bereits erwähnten Kriterien (Alter, Veröffentlichungen, Wohnsitz/ Nationalität) werden sowohl der Lebenslauf berücksichtigt als auch die Motivation, die der Kandidat oder die Kandidatin für die Teilnahme am Projekt anführt.

Die Bestätigung für die Teilnahme wird bis zum 4. März 2019 verschickt.