Ein anderes Leben

Ein anderes Leben

Neubeginn und Wiedergeburt im Sinne Dantes: darauf zielt die neunte Ausgabe der Eventi letterari Monte Verità. Der Titel «Ein anderes Leben», den wir etwas anders formuliert auch in der Göttlichen Komödie finden, ist Ausdruck eines starken Verlangens und der Suche nach neuen Visionen, neuen Welten, neuen Zeiten. Die Ausgabe 2021 ist also auch eine Hommage an Dante anlässlich seines 700. Todestages. Vor allem aber verleiht das diesjährige Festival dem Dichter eine Stimme und lädt wie er dazu ein, sich mutig den grossen Themen zu stellen, um die Möglichkeiten einer Neugestaltung und einer radikalen Veränderung aufzuzeigen, die die Politik nur zögernd in Angriff nimmt.
Intellektuelle, SchriftstellerInnen, DichterInnen, KünstlerInnen und PhilosophInnen sind aufgefordert, ein anderes Leben zu entwerfen, in dem endlich «die Sterne wieder zu sehen» sein werden. Es geht also darum, sich nicht auf zufällige Meinungen oder den Mainstream zu verlassen, wenn man über literarische Innovationen oder soziale Themen sprechen will.
Wie sich dem Programm entnehmen lässt, bietet diese neunte Ausgabe ein Panorama, in dem Frauen und weibliche Themen sehr präsent sind, und zwar nicht etwa in der Absicht aufzustacheln, sondern weil viel dafür spricht, dass Frauen die Welt – die bis dato auf oft desaströse Weise von Männern dominiert wurde – radikal verändern könnten. Beginnen werden wir daher mit der kanadischen Schriftstellerin Rachel Cusk, einer der interessantesten Erzählerinnen der letzten Jahre, die sich mit dem Thema «ein anderes Leben» im Moment des Mutterwerdens auseinandersetzt.
Im Einklang mit dem historischen Schauplatz des Monte Verità, an dem die Eventi letterari seit jeher stattfinden, bleibt die internationale Ausrichtung des Festivals bestehen und wird noch verstärkt, zusammen mit dem unverzichtbaren Anliegen, den jungen Generationen die vitale Bedeutung von Literatur zu vermitteln.
Schliessen möchte ich mit einem Gedanken voller Dankbarkeit an Eros Bergonzoli, der als Präsident für uns alle ein liebenswürdiger und taktvoller Garant sowie ein grosszügiger und fröhlicher Freund war.

Paolo Di Stefano
Künstlerische Leitung

Maike Albath, Maurizio Canetta
Berater der künstlerischen Leitung